Für öffentliche Verkehrsmittel sind keine Kilometerpauschalen abziehbar

 

 

Viele Arbeitnehmer sind nicht nur an einem festen Arbeitsort tätig, sondern unternehmen regelmäßig Dienstreisen. Die dabei entstehenden Fahrtkosten übernimmt zwar in der Regel der Arbeitgeber, er muss es jedoch nicht. Mitunter erstatten Arbeitgeber auch nur einen Teil der entstandenen Kosten. Den Differenzbetrag kann der Arbeitnehmer dann im Rahmen der Einkommensteuererklärung als Werbungskosten geltend machen.

Doch was erkennt das Finanzamt bei Dienstreisen eigentlich als Fahrtkosten an? Tatsächliche Kosten oder pauschale Kilometersätze? Der Grundsatz lautet hier: Abziehbar sind die tatsächlichen Kosten. Der Arbeitgeber kann daher die Kosten für Bahn- oder Flugtickets ersetzen. Nutzt der Arbeitnehmer den eigenen Pkw, können 0,30 Euro pro gefahrenen Kilometer erstattet werden. Für Dienstreisen, die mit Bahn oder Flugzeug zurückgelegt worden sind, gibt es dagegen keine Kilometerpauschalen. Genau dazu ist beim Bundesfinanzhof ein Verfahren anhängig. Das erstinstanzliche Finanzgericht Hamburg gewährte - wie schon das Finanzamt - keine Kilometerpauschalen für Dienstreisen, die mit Bahn oder Flugzeug zurückgelegt worden sind. In ihrer Begründung führen sie an, dass es für Bahn und Flugzeug keine pauschalen Sätze je Kilometer gibt. Zudem weisen sie darauf hin, dass die Kilometerpauschalen eingeführt wurden, um den Nachweis der tatsächlich entstandenen Fahrtkosten bei Benutzung eines eigenen Fahrzeugs zu erleichtern. Der Nachweis für entstandene Bahn- oder Flugkosten muss aber nicht erleichtert werden, da hier die Nachweisführung durch die genutzten Bahn- und Flugtickets unkompliziert zu handhaben ist.

Die Begründung erscheint einleuchtend. Dennoch muss der BFH nun klären, ob wirklich keine pauschalen Kilometersätze anstelle der tatsächlichen Aufwendungen angesetzt werden dürfen. Denn das Bundesreisekostengesetz setzt dafür voraus, dass ein Fahrzeug genutzt wird, welches nicht zu den regelmäßig verkehrenden Beförderungsmitteln, wie Bus, Bahn oder Flugzeug, zählt. Zudem haben die Bundesrichter darüber zu urteilen, inwieweit pauschale Fahrtkosten für Dienstreisen angesetzt werden können, wenn der Steuerpflichtige als Beifahrer im PKW eines anderen Dienstreisenden mitfährt und für ihn – eigentlich - keine eigenen Fahrtkosten entstanden sind.

Tipp: Da in der Regel die pauschalen Kilometersätze auf große Entfernungen günstiger sind, als die tatsächlichen Fahrtkosten für Bahn oder Flugzeug, sollten Einkommensteuerbescheide unter Verweis auf das anhängige BFH-Verfahren (VI R 50/18) offengehalten werden.

Hinweis:
Von den abziehbaren Fahrtkosten bei Dienstreisen ist der Werbungskostenabzug für Fahrten von der Wohnung zur ersten Tätigkeitsstätte zu unterscheiden. Bei letzterem gilt die Entfernungspauschale mit 0,30 Euro je Entfernungskilometer und zwar unabhängig von der Wahl des Beförderungsmittels, grundsätzlich höchstens 4.500 Euro im Jahr. Mehr als 4.500 Euro können geltend gemacht werden, wenn ein eigener Pkw genutzt wird. Übersteigen die Aufwendungen für öffentliche Verkehrsmittel die Entfernungspauschale, sind auch diese abziehbar. Allerdings sind sie, wie bei den Dienstreisen, nachzuweisen. Wird die Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit dem Flugzeug zurückgelegt, so ist hierfür die Entfernungspauschale nicht anwendbar.

(Stand: 18.04.2019)

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